LIFE Alister als Sprungbrett

12 July 2018
 

Vor zwei Jahren , die Forschungen von Mathilde Tissier zu Feldhamstern, die wegen Vitamin-B3-Mangels an Demenz erkrankten, dazu geführt, dass sowohl die Landwirte als auch Forscher und sogar die Medien darauf reagierten. Die Wissenschaftlerin erläutert, dass diese innovative und eher zufällige Herangehensweise der Forschung neue Wege eröffnet, die darauf abzielen, das schrittweise Verschwinden der Biodiversität auf landwirtschaftlich genutzten Böden besser zu verstehen.

Nachdem Mathilde Tissier im April 2017 ihren Doktortitel , erhalten hat, hat sie ihre Aufgabe im Rahmen von LIFE Alister am multidisziplinären Institut Hubert-Curien (CNRS**) beendet. Heute beschäftigt sie sich mit anderen Forschungen zur selben Thematik: den Auswirkungen der Nahrung auf die Physiologie und das Verhalten, um nicht zu sagen auf die Entwicklung, von Tierarten.

 

Vom Feldhamster zum Tamia

Das Tamia ist ein kleines nordamerikanisches Eichhörnchen. Seine Besonderheit ist, dass es sich in Jahren mit einem Überangebot an Nahrung zwei Mal pro Jahr vermehrt. Dieses Verhalten ruft Forscher auf den Plan, denn das Tier kann die Erhöhung des Nahrungsangebotes, die nicht jedes Jahr auftritt, 2 bis 3 Monate im Voraus erahnen Ab Juli wird Mathilde Tissier im Rahmen eines Post-Doktorats für 3 Jahre an die Bishop’s University in Québec und zu dem kanadischen Team gehen, das an diesen Fragen arbeitet. .

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Das Team besteht derzeit aus Dr. Patrick Bergeron (Bishop’s University), Dr. Denis Réale (UQAM) und Dr. Dany Garant (Université de Sherbrooke). Forschungsthema wird sein, zu verstehen, warum die Saison, in der die Jungen geboren werden, ihre Entwicklung und ihr Verhalten beeinflusst. Ist die unterschiedliche Nahrung für die im Frühling bzw. im Herbst Geborenen der Grund dafür? Diese Forschungsarbeiten finden, wie auch im Projekt LIFE Alister, im Rahmen globaler Veränderungen statt*.

 

Der Feldhase und die bestäubenden Insekten

Parallel zu der Studie über das Tamia arbeitet Mathilde Tissier auch mit einem österreichischen Team an Forschungsprojekten zu Feldhasen und bestäubenden Insekten zusammen, in Verbindung mit Forschern in Toulouse und den Vereinigten Staaten.
Auch hierbei geht es um die Frage, welchen Einfluss die Ernährung auf das Verschwinden dieser Tiere hat. In der Ökologie wird die Ernährung im Allgemeinen wegen ihrer Energie- und Proteinzufuhr betrachtet, aber die Studie zum Feldhamster hat die wichtige Rolle von Vitaminen und essentiellen Aminosäuren aufgezeigt.Die Arbeit von Mathilde Tissier interessiert sich nicht nur für die Physiologie und das Verhalten der Tiere, sondern auch für die Biochemie der Pflanzen als Nahrungsquelle.

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Es ist kaum bekannt, aber Bienen verzehren im Sommer bis zu 70% Mais-Pollen, also Pollen von einem Getreide, das am wenigsten Vitamin B3 enthält. Dies gilt jedoch nicht nur für Mais; im Gegensatz zu Wildpflanzen enthalten die meisten Getreidesorten im Allgemeinen wenig Vitamin B3. Es stellt sich also die Frage:
Hat unsere Landwirtschaft diejenigen Pflanzen verloren, die es den Tieren erlauben, Mangel auszugleichen?  Pflanzen, die ihren wilden Verwandten noch ähnlich sind, die wir aber nicht mehr anbauen?
Anhand dieser Informationen wäre es, wie im Rahmen des Projekts LIFE Alister, möglich, über die Kombination von Kulturen nachzudenken, welche die Biodiversität unseres Planeten retten.

 

Hier erfahren Sie mehr : Website von Mathilde Tissier

*Die globalen Veränderungen bezeichnen im weitesten Sinne Veränderungen, welche in den Ökosystemen durch die Anthropisierung bewirkt werden, die im heutigen Zeitalter des Anthropozäns stattfindet, einem geologischen Zeitraum, in dem menschliche Gesellschaften die Welt zum Teil unwiderruflich verändern. Der Begriff umfasst insbesondere die Verstädterung, die Überfischung, landwirtschaftliche und klimatische Veränderungen und die Belastungen, die sie für die Ökosysteme bedeuten.

** CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique, Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung)

*** IPHC (Institut pluridisciplinaire Hubert Curien)

**** ONCFS (Office National de la Chasse et de la Faune Sauvage, Französisches Amt für Jagd und Wildtiere)

 

Thesis-Preis des Vereins der Freunde der Universitäten der Akademie Straßburg

Am Freitag, dem 22. Juni, hat Mathilde Tissier im Rahmen einer Zeremonie, deren Vorsitz Michel Deneken (Präsident der Universität Straßburg), Catherine Florentz (Vizepräsidentin der Universität Straßburg) und Claude Rousset (Präsident des Vereins der Freunde der Universitäten) hatten, diesen Preis, gestiftet von der Association Frédéric De Dietrich, erhalten. Die Thesis-Preise wurden an 19 von 464 Doktoranden verliehen, die ihre Thesis im vergangenen Jahr vorgelegt haben. Die Preise sind dazu bestimmt, die Autoren der bemerkenswertesten Doktorarbeiten hervorzuheben, die im Lauf des Jahres 2017 an der Universität Straßburg verteidigt wurden.

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Auf dem Foto: Doktormutter und –vater Caroline Habold und Yves Handrich, Forscher am IPHC*** und Charlotte Kourkg, Beauftragte für das Projekt Feldhamster beim ONCFS****.

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