(r) Entwicklung der Kulturlandschaft

5 October 2017
 

Die Laborstudie eines CNRS-Teams* im Rahmen des LIFE Alister-Projekts [1} wirft ein neues Licht auf die Feldhamster-Problematik, bestätigt aber auch die Notwendigkeit einer weiteren Erprobung innovativer Anbaumethoden auf offenem Feld.

Die Aufgabe ist nicht einfach: Rentabilität der Landwirtschaft mit Erhalt des Feldhamsters und der kleinen Feldfauna auf Ackerflächen in Einklang zu bringen, auf denen die Landwirtschaft von fruchtbaren und tiefen Böden für die Produktion von Getreide, Rüben, Kartoffeln und Kohl für Sauerkraut profitiert und damit den Unterhalt für Bauernfamilien sicherstellt, die gemeinhin auf eher kleinen Höfen leben. Dazu werden die landwirtschaftlichen Systeme in den Hamsterzonen im Allgemeinen optimiert, um eine hochwertige Produktion zu gewährleisten, und jede Praxisänderung birgt für den Landwirt, der die ausgetretenen Pfade verlässt, ein Risiko.

In dieser Zone wurden seit 2013 Agrarumweltmaßnahmen von 150, in Vereinen zusammengeschlossenen Landwirten[1] auf ungefähr zehn Äckern mit einer Gesamtfläche von 2 900 ha umgesetzt. Dies ermöglichte, den Mais-Anteil an der Fruchtfolge auf weniger als 50 % der Anbauflächen zu reduzieren und etwa 30 % für die Tierart günstig angesehene Kulturen zu erreichen. Deswegen stabilisierten sich die Hamsterpopulationen, konnten sich derzeit aber nicht wesentlich erhöhen. Dies verstärkt das Interesse an Feldversuchen im Rahmen des LIFE Alister-Projekts. In den Hamsterschutzzonen sind diesen Versuchen seit 2014 ein Dutzend bewirtschaftete Hektare gewidmet. Sie werden in Zusammenarbeit mit vielen Landwirten, Agrarforschungsstrukturen und Partnern des LIFE Alister-Projekts durchgeführt und lassen sich von Prinzipien der bodenerhaltenden Landwirtschaft und Agrarökologie inspirieren.

Was sind die Vorteile einer Änderung der Anbaupraktiken für den Hamster?

Das Ziel der getesteten Anbaupraktiken besteht darin, die Dauer der Bodenbedeckung zwischen zwei Kulturen zu verlängern und so den Hamster vor seinen Fressfeinden noch mehr zu schützen, aber auch das Futterangebot zu diversifizieren, um ihm einen besseren Winterschlaf und eine bessere Fortpflanzung zu ermöglichen. Die CNRS-Studien zeigen, dass er Zugang zu verschiedenen Pflanzenarten haben muss.  Dies kann durch Verbesserung der Kulturpflanzenverteilung im Raum erfolgen, wie im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen verwirklicht, aber auch im Zeitablauf durch Aussaat mehrerer Pflanzenarten auf derselben bewirtschafteten Parzelle, und dies entweder gleichzeitig oder nacheinander. Reduzierte Bodenbearbeitung begünstigt auch das Vorkommen von Regenwürmern, die eine Leibspeise des Hamsters sind, der Allesfresser ist und auch Insekten nicht verschmäht.

Was sind die Schwierigkeiten für die Landwirte?

Seit zwei Jahren werden verschiedene Anbautechniken von den am LIFE Alister-Programm beteiligten Landwirten getestet: reduzierte Bodenbearbeitung durch Strip-Till (Bodenbearbeitung und Aussaat nur in Streifen) und pfluglose Ackerkultur, semi-permanente Bodenbedeckung durch Mischkulturen und frühe Anpflanzung von CIPAN * usw. Diese Techniken stellen eine Abkehr von den herkömmlichen Praktiken dar und erfordern in der Regel mehrere Anwendungsjahre, um gemeistert zu werden. Der Wettbewerb zwischen den Kulturen und Zwischenkulturen um den Ressourcenzugang (Wasser, Licht, Nährstoffgehalt des Bodens usw.), die Kontrolle der Unkräuter ohne Pflugeinsatz und ohne Zerstörung der Zwischenkulturen, die Wahl der arten, die man zusammenleben lassen will, die Kontrolle bestimmter, in der Regel durch das Pflügen zerstörte Kulturschädlinge oder Unkräuter usw.

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An heiklen Fragen herrscht kein Mangel und technische Hinweise zu diesen Themen sind immer noch selten. Beim Mais beginnt die kritische Periode mit dem Aufwachen des Hamsters aus dem Winterschlaf (im April) bis zu dem Zeitpunkt, in dem die Pflanze durch Bodenbedeckung eine Schutzrolle spielt (im Juni). Durch Tests wird zum Beispiel versucht, eine Maisernte ohne signifikante Ertragseinbußen durch Aussaat im Frühjahr in eine bereits vorhandene Vegetationsdecke zu erreichen.

Das ist schwierig, denn im frühen Stadium seiner Entwicklung ist der Mais sehr anfällig im Wettbewerb mit anderen Pflanzen und die Instrumente, die es ermöglichen können (wie z. B. Strip-Till), erfordern Beherrschung für ihre erfolgreiche Nutzung. In Bezug auf Strohgetreide zielen die Tests darauf ab, eine Zwischenfrucht gleichzeitig mit dem Weizen oder später in der vorhandenen Kultur oder stattdessen unmittelbar nach der Ernte anzusiedeln, damit sie ab der Getreideernte ihre Aufgabe der Bodenbedeckung im Sommer übernimmt.

Was sind die Vorteile dieser Praktiken für die biologische Vielfalt bzw. die Landwirtschaft?

Aus agronomischer Sicht ermöglicht die frühzeitige Bereitstellung von Abdeckungen, die von langen Sommertagen für ihre Entwicklung und Bildung von Biomasse profitieren können, die Produktion von organischem Material, das im Boden in Humus- oder durch Mikroorganismen abgebauter Form gespeichert wird, um für die Folgekulturen assimilierbare Nährstoffe herzustellen. Eine Artenvielzahl in den Vegetationsdecken ermöglicht die Optimierung dieser Funktionen und ist gleichzeitig vorteilhaft für die kleine Feldfauna. Zu diesem Punkt empfiehlt das Netzwerk Agrifaune, das ONCFS, FNSEA, den Verband der Jäger und die Landwirtschaftskammern zusammenfasst, Vegetationsdecken mit mindestens 2 bis 4 Arten (mehr).

Auf den innovativen Versuchsparzellen des LIFE Alister-Programms fiel die Wahl auf eine Mischung aus 26 % hartem Hafer (Gras, das eine Energie- und Proteinquelle insbesondere für die Aufzucht der jüngsten Würfe darstellt), 26 % Wiesenklee und 26 % Blutklee (für den Hamster sehr schmackhafte Hülsenfrüchtler; sie fixieren auch den Stickstoffim Boden und widerstehen dem Winter), 11 % Sonnenblume (reich an Linolsäure; wesentliches Element für den Winterschlaf des Hamsters) und 11 % Nyger (gegen Trockenheit resistente Pflanze, die eine Vegetationsdecke in Hitzeperioden sicherstellt).

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Die Sonnenblume ist eine an Linolsäure reiche Pflanze und bildet dadurch ein wesentliches Element für den Winterschlaf des Hamsters

Im Übrigen begünstigt reduzierte Bodenbearbeitung im Allgemeinen das Vorkommen von Regenwürmern, die durch ihre Galerien den Boden aufwühlen und seine Porosität und somit die Belüftung und das Eindringen von Wasser, aber auch das biologische Leben allgemein (Bakterien, Pilze, Springschwänze usw.) verbessern. Dies ermöglicht unter anderem die Reduzierung der Bodenerosion.


 Vereinigung AFSAL (Landwirte und Tierwelt im Elsass)

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