Auswilderung von Feldhamstern im Vorstadtgebiet: ein Gespräch mit dem Leiter eines Pilotstandorts

2 October 2017
 

Alister friendlyAnfang Juli ließen Forscher des CNRS im Rahmen des LIFE Alister-Projekts mehrere Feldhamster an einem vorstädtischen Pilotstandort frei. Die damit verbundene wissenschaftliche Studie ermöglicht es, herauszufinden, inwieweit die Auswilderung der in Frankreich vom Aussterben bedrohten Tierart in vorstädtischen Gebieten erfolgreich ist.

 

 

Simon Mallevialle, Leiter der „Plateforme Industrielle du Courrier Strasbourg Europe“ antwortete auf unsere Fragen.

 

Wie verlief Ihr erstes Treffen mit den Wissenschaftlern?

Pia Imbs, die Bürgermeisterin der Gemeinde Holtzheim, in der sich unsere Plattform befindet, erzählte mir von dem Forschungsprojekt des CNRS. Sie kennt das Engagement der Post[i], und insbesondere unseres Standorts, für Aktionen, die eine nachhaltige Entwicklung fördern. Frau Imbs interessiert sich selbst für diese Aspekte und suchte, um die Studie zu unterstützen, nach einem geeigneten Standort.

Anfangs hatten wir schon ein wenig Angst bei dem Gedanken, Feldhamster an einem Standort aufzunehmen, der täglich so viele Tonnen Papier bearbeitet. Mal ehrlich! Nagetiere inmitten von Briefen? Doch Odile Petit, die diese Studie leitet, konnte uns diesbezüglich beruhigen… Feldhamster sind sehr scheu und es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sie sich in die Nähe der Gebäude wagen. Nachdem diese Frage geklärt war, hörte sich unser Leitungsgremium aufmerksam die Präsentation zur Studie an, den Kontext von LIFE Alister und die Herausforderungen, die mit der Problematik des Feldhamsters einhergehen. Als sie fertig waren, haben wir einstimmig dem Projekt zugestimmt! Danach musste die Entscheidung noch von der Post gebilligt werden und wir mussten gemeinsam die genauen Modalitäten festlegen. 

Musste der Standort angepasst werden?

 Sehr wenig. Die Forscher des CNRS haben auf unseren Grünflächen an mehreren Stellen Vorbaue für die Hamster angelegt. Wir mähten unsere Rasenflächen schon vorher in vernünftigen Abständen und die Forscher haben das Terrain durch die Anpflanzung von Saatgut weiter an die Bedürfnisse des Hamsters angepasst. Denn es ist wichtig, den Nahrungsbedarf des Feldhamsters zu respektieren. Ansonsten hat sich nichts geändert.
Besonderes Augenmerk gilt der Sicherheit der Wissenschaftler. Unser Standort ist rund um die Uhr geöffnet und LKW sind ständig auf dem Gelände unterwegs. Die LKW-Fahrer müssen also besonders wachsam und die in ihre Beobachtungen vertieften Forscher besonders vorsichtig sein. Die Teammitglieder des CNRS wechseln sich tatsächlich in der Nacht ab, um ihre Beobachtungen durchzuführen. Und wir sind eine solche Aktivität am Standort nicht gewohnt.

Wie reagieren die etwa 300 Mitarbeiter des Standorts?

Mit Neugier. Auf unserer Plattform gibt es bereits Bienenstöcke und Vogelhäuser, unsere Mitarbeiter kennen daher das umweltbezogene Engagement der Post. Mit LIFE Alister und dem Bürgermeisteramt von Holtzheim haben wir Informationstafeln angefertigt (http://www.grand-hamster-alsace.eu/etude-periurbain-explication-en-5-panneaux/), um zu erklären, worum es bei dieser Studie geht, wie sie ablaufen wird und welche Regeln bezüglich der Tiere zu beachten sind. Es sind Wildtiere, die man nicht anfassen und nicht stören darf. Ich denke, dass eine solche Aktion wertvoll für alle ist.

Sie haben einen Aufkleber auf Ihrer Handyhülle, worum handelt es sich?

Ach ja! Das ist der Alister friendly-Aufkleber. Unser Standort ist ebenso wie die Gemeinde Holtzheim Alister friendly, d. h. wir unterstützen in gewisser Weise das LIFE Alister-Programm. Toll, nicht wahr?


[i] frz. La Poste

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