Ist Schleckerei stärker als Angst? JAHRESTAGUNG DER SFECA

26 July 2017
 

Aktion A5 von LIFE Alister betrifft die Relevanz der Auswilderung des Feldhamsters in stadtnahen Gebieten. Dieser Vorschlag beruht auf der Feststellung, dass die Tierart verstädterte Räume in verschiedenen Ländern besetzt, darunter auch Österreich.

Die stadtnahen Gewerbegebiete werden durch große Grünflächen und geringere menschliche Aktivität in den Stunden gekennzeichnet, in denen das Tier seinen Bau verlässt, nämlich nachts. Sie würden folglich günstige Bedingungen für dieses Experiment darstellen. Allerdings haben diese Gebiete den Nachteil, in der Nacht stark erleuchtet zu sein. Odile Klein, Forscherin am CNRS (IPHC-DEPE) führt eine Studie über „die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf das Verhalten und die Physiologie des Feldhamsters“ durch.

Eine der von der Studie aufgeworfenen Fragen lautet: ist die Nachtbeleuchtung ein Hemmschuh bei der Nahrungssuche des Feldhamsters?

Die Experimente wurden mit achtzehn Feldhamstern durchgeführt und konnten dazu beitragen, die Verhaltensreaktionen der Einzeltiere zu bestimmen, die die Wahl zwischen zwei schmackhaften Nahrungsangeboten unter zwei unterschiedlichen Lichtverhältnissen (erleuchtet – 4 oder 40 Lux – und dunkel) hatten. Die Auswertungen des Lichtverschmutzungseffekts auf das Nahrungssuchverhalten des gemeinen Hamsters wurden auf der Jahrestagung der Französischen Gesellschaft für Tierverhaltensstudien („Société Française pour l’Etude du Comportement Animal“ oder „SFECA“) vorgestellt, die vom 15.-17. Mai 2017 in Gif-sur-Yvette stattfand.

Jene Auswertungen zeigen, dass die Hamster durch eine Beleuchtung gestört werden, die das Licht einer Straßenlaterne simuliert. Beim Vorhandensein einer Quelle von sehr schmackhaftem Futter vermeiden sie diese Bereiche jedoch nicht mehr. Die Folge dieser Verhaltensstudie ist, dass die Gestaltungsempfehlungen für stadtnahe Gebiete im Hinblick auf die Auswilderung der Feldhamster mehr die Strategien zum Schutz vor Fressfeinden (Gartengestaltungen) als die Reduzierung der Nachtbeleuchtung betreffen.

Jene Auswertungen in Bezug auf eine eher für ihre nächtliche Aktivität bekannte Tierart versetzten die bei der Tagung anwesenden Studenten/Studentinnen und Forscher/Forscherinnen in großes Erstaunen.

SFECA

Dupont, S., Guinnefollau, L., Weber, C. & Petit, O. Impact de la pollution lumineuse sur le comportement de fourragement du hamster commun („Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf das Nahrungssuchverhalten des gemeinen Hamsters“). Ausgehängte Mitteilung. 47. Tagung der SFECA, Gif-sur-Yvette, 15.-17. Mai 2017.

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